Anwenderbericht BEB: Flexible Palettenautomation für mannlose 5-Achs-Fertigung

Wie lässt sich eine anspruchsvolle Einzelteil- und Serienfertigung automatisieren, ohne den eingespielten Workflow eines Unternehmens zu verlieren? Genau vor dieser Aufgabe stand die BEB Fertigungscenter GmbH & Co. KG in Margarethen am Moos bei Wien. Der österreichische Lohnfertiger produziert hochwertige CNC-Bauteile in kleinen und mittleren Stückzahlen. Von klassischer Standardbearbeitung bis zur komplexen Mehrachsen-Dreh-/Fräsbearbeitung. Der Anspruch war klar: mehr Produktivität, mehr Prozesssicherheit und eine Fertigung, die auch ohne permanente Bedieneranwesenheit zuverlässig läuft. Die Lösung war ein flexibles Fertigungssystem mit zentraler Palettenautomation, intelligenter Leittechnik und einem modularen Maschinenkonzept, das von Anfang an auf spätere Erweiterung ausgelegt wurde. Heute zeigt das Projekt bei BEB eindrucksvoll, was eine skalierbare Automationslösung leisten kann: Aus der ersten Ausbaustufe mit einem 5-Achs-Bearbeitungszentrum LPZ630 entstand eine erweiterte FMS-Anlage mit zwei vertikalen 5-Achs-Bearbeitungszentren, 96 Palettenplätzen und integrierter Materiallogistik.

Faktenbox

Kunde

BEB Fertigungscenter GmbH & Co. KG

Standort

Margarethen am Moos, Österreich

Branche

CNC-Lohnfertigung/Präzisionsfertigung

Ausgangslösung

5-Achs-Bearbeitungszentrum LPZ630 mit flexiblem Palettensystem

Erweiterung

2 vertikale 5-Achs-Bearbeitungszentren mit zentraler Palettenautomation

Palettengröße

500 x 500 mm

Regal

8 Ebenen

Kapazität

96 Maschinenpalettenplätze

Stationen

2 Be-/Entladestationen für Maschinen-, Rohteil- und Werkzeugpaletten

Software

PROCAM-Leittechnik/EMS

Betrieb

bemannter 2-Schicht-Betrieb und unbemannte 3. Schicht

Ergebnis

24-Stunden-Produktion ohne zusätzlichen Mitarbeiter, Teilefertigung in etwa der Hälfte der Zeit, etwa doppelt so viele realisierbare Aufträge

Die Ausgangssituation: Fachkräftemangel, Kundenanforderung und der Wunsch nach echter Automatisierung

BEB versteht sich nicht nur als klassischer Lohnfertiger. Das Unternehmen sieht sich auch als Ideengeber für seine Kunden. Genau diese Rolle führte zu Wachstum und schließlich zu einer neuen Herausforderung. Ein Kunde stellte BEB vor einen anspruchsvollen Auftrag. Gleichzeitig spielte der Facharbeitermangel in Österreich eine wichtige Rolle. Für die neue Aufgabe reichte eine klassische Maschinenlösung nicht aus. Gefragt war ein System, das Werkstücke automatisch bereitstellt, Aufträge intelligent verwaltet und die Maschine zuverlässig mit Paletten versorgt.

Wir brauchten dafür ein vollautomatisches System und eine sehr intelligente Software.
Harald Jursitzky
Geschäftsführender Gesellschafter

Die erste Lösung: LPZ630 mit flexiblem Palettensystem

In der ersten Ausbaustufe wurde ein 5-Achs-Bearbeitungszentrum LPZ630 an ein 8-etagiges Hochregal angebunden. Ergänzt wurde das System durch zwei Rüststationen, eine auftragsbezogene Bereitstellung der Werkstücke und eine gekapselte, gut einsehbare Übergabestation zwischen Regalsystem und Werkzeugmaschine. Der entscheidende Vorteil: Während die Maschine produziert, können Werkstücke außerhalb des Arbeitsraums vorbereitet und später automatisch in den Prozess eingeschleust werden. So sinken Rüstzeiten in der Maschine, Bediener arbeiten sicherer und die Anlage bleibt deutlich länger produktiv. Die LPZ630 passte dabei zum Anspruch von BEB: ein modulares 5-Achs-Bearbeitungszentrum mit hoher Dynamik, Linearantrieben und kundenspezifisch auslegbaren Baugruppen. Die Maschine wurde so in das Palettensystem integriert, dass beide Systeme „eine Sprache sprechen“ – technisch, organisatorisch und softwareseitig.

Mehr zur flexiblen Palettenautomation von Lerinc

Der BEB-Anwenderbericht zeigt, wie ein modulares Palettensystem in der Praxis wächst. Mehr zu Aufbau, Nutzen und Einsatzmöglichkeiten findest Du auf unserer Seite zur flexiblen Palettenautomation.

Die Herausforderung: Der Workflow musste bleiben

Bei Automationsprojekten geht es nicht nur um Technik. Entscheidend ist, ob die Automation zum realen Fertigungsalltag passt. Bei BEB war die Messlatte hoch. Das Palettensystem und die LPZ630 mussten nicht nur technisch verbunden werden. Die Lösung sollte auch den sehr individuellen, eingespielten und erfolgreichen Workflow des Unternehmens berücksichtigen.

  • automatische Bereitstellung von Maschinenpaletten
  • sichere Verwaltung von Rohteilen und Fertigteilen
  • flexible Nutzung der Regalplätze
  • transparente Auftragsverwaltung
  • einfache Bedienung an den Rüstplätzen
  • maximale Prozesssicherheit im mannlosen Betrieb

Die PROCAM-Leittechnik wurde dabei zum zentralen Baustein. Sie sorgte dafür, dass Aufträge, Paletten, Rohteilbehälter und Maschinenprozesse transparent verwaltet und im richtigen Moment bereitgestellt werden.

Das Lerinc FMS-System: Palettenautomation mit Materiallogistik

Das FMS-System bei BEB wurde so ausgelegt, dass jeder Regalplatz flexibel genutzt werden kann. Auf jedem Speicherplatz können entweder Maschinenpaletten oder Rohteilbehälter abgelegt werden. Das ist ein entscheidender Vorteil für die Fertigungslogistik. Denn das System speichert nicht nur Werkstücke auf Maschinenpaletten, sondern unterstützt auch die Verwaltung von Rohteilen und Fertigteilen. Dadurch entsteht ein strukturierter Materialfluss vom Rüstplatz über die Maschine bis zurück in den Speicher.

Technische Eckdaten der ursprünglichen FMS-Lösung:

  • Platzbedarf: ca. 15 x 12 m inklusive Maschine
  • 96 Regalplätze
  • 12 Module mit je 8 Etagen
  • geeignet für Maschinenpaletten 500 x 500 mm
  • geeignet für Rohteilbehälter 800 x 600 mm
  • 2 Be-/Entladestationen
  • Mischbetrieb für Maschinenpaletten und Rohteilbehälter

Damit wurde aus einer klassischen Maschineninvestition ein flexibles Fertigungssystem, das Maschinenlaufzeit, Rüstprozess und Materiallogistik miteinander verbindet.

Automatische Werkzeugbereitstellung: mehr Kapazität ohne Stillstand

Ein weiterer besonderer Punkt war die Erweiterung der Werkzeugkapazität. Selten benötigte Werkzeuge können in spezielle Werkzeugträger eingewechselt und im Palettenregal ausgelagert werden. Bei Bedarf werden sie automatisch wieder in das Maschinenmagazin zurückgeführt. Für BEB bedeutet das: Die Anlage kann mehr Varianten, Aufträge und Werkzeuge verwalten, ohne dass der Bediener ständig manuell eingreifen muss. Gerade bei einem Lohnfertiger mit wechselnden Bauteilen, Losgrößen und Kundenanforderungen ist das ein wichtiger Produktivitätsfaktor.

Das Ergebnis: 24 Stunden produzieren – ohne zusätzlichen Mitarbeiter

Das Ziel wurde erreicht. Die Anlage läuft mannlos an sechs Tagen in der Woche. Alle Aufträge sind im System hinterlegt und können bei Bedarf schnell und wirtschaftlich produziert werden. Damit konnte BEB mit dem neuen FMS-System etwa doppelt so viele Aufträge realisieren. Gleichzeitig blieb die Fertigung flexibel genug, um verschiedene Werkstücke, Rohteilbehälter und Maschinenpaletten im Mischbetrieb zu verwalten. Für BEB entstand daraus ein echter Wettbewerbsvorteil: höhere Produktivität, bessere Planbarkeit, mannlose Fertigung und mehr Kapazität ohne zusätzlichen Personalbedarf.

Warum dieses Projekt für moderne Fertigungsbetriebe relevant ist

Viele Zerspanungsbetriebe stehen heute vor denselben Herausforderungen wie BEB: steigende Anforderungen, wechselnde Losgrößen, Fachkräftemangel, hoher Kostendruck und der Wunsch nach besserer Maschinenauslastung. Der BEB-Anwenderbericht zeigt, dass eine flexible Palettenautomation nicht nur für Großserien interessant ist. Gerade in der Einzelteil-, Kleinserien- und variantenreichen Serienfertigung kann ein FMS-System entscheidende Vorteile schaffen. Die wichtigsten Learnings aus dem Projekt:

Automation muss zum Workflow passen

Die beste Anlage bringt wenig, wenn sie den realen Fertigungsalltag nicht abbildet. Bei BEB wurde das System gemeinsam mit dem Kunden entwickelt und auf den bestehenden Workflow abgestimmt.

Software entscheidet über Prozesssicherheit

Die intelligente Leittechnik sorgt dafür, dass Aufträge, Paletten, Rohteile, Werkzeuge und Maschinen transparent verwaltet werden.

Skalierbarkeit zahlt sich aus

Die spätere Erweiterung auf zwei Bearbeitungszentren war bereits in der ersten Konzeption vorgesehen. Das reduziert Risiken und schafft Investitionssicherheit.

Palettenautomation steigert Produktivität spürbar

BEB produziert Teile heute in etwa der Hälfte der Zeit und kann mit dem FMS-System etwa doppelt so viele Aufträge realisieren.

Mannlose Fertigung ist planbar

Mit ausreichend Palettenvorrat, zuverlässiger Materiallogistik und intelligenter Software kann die Anlage auch ohne permanente Bedieneranwesenheit produktiv bleiben.

Fazit: Flexible Palettenautomation als Wachstumstreiber

Das Projekt bei BEB zeigt, was möglich ist, wenn Werkzeugmaschine, Palettensystem, Materiallogistik und Leittechnik konsequent zusammengedacht werden.

Aus einer konkreten Kundenanforderung entstand eine Automationslösung, die nicht nur den ursprünglichen Auftrag abbildete, sondern langfristig mitwachsen konnte. Die spätere Erweiterung auf zwei 5-Achs-Bearbeitungszentren bestätigt den zentralen Vorteil modularer Palettenautomation: Sie schafft Produktivität heute und bleibt offen für die Anforderungen von morgen.

Für Fertigungsbetriebe, die ihre Maschinenlaufzeit erhöhen, Rüstprozesse entlasten und mannlose Schichten planbar machen wollen, ist BEB ein starkes Praxisbeispiel: Flexible Palettenautomation funktioniert dann am besten, wenn sie nicht als Einzelkomponente gedacht wird, sondern als vollständiges Fertigungssystem.